Rega flog Ebola-Patientin in Patienten-Isolationseinheit in die Schweiz
Gestern konnten dank der von der Rega entwickelten Patienten-Isolationseinheit eine mit Ebola infizierte Frau sowie eine Kontaktperson sicher und effizient an Bord des Rega-Jets von Nigeria nach Zürich geflogen werden. Der Flug wurde im Auftrag des Bundes durchgeführt.
Die Patienten-Isolationseinheit (PIU) ist eine sogenannt chemiedichte Schutzhülle, in der Patientinnen und Patienten während der gesamten Transportdauer isoliert werden können. Sie schützt vor Ansteckung und ermöglicht zusammen mit einem akribisch beschriebenen und regelmässig trainierten Ablauf den sicheren Transport von Personen mit hochinfektiösen Krankheiten wie Ebola, COVID-19 oder anderen hochansteckenden Virusinfektionen. Die medizinische Crew kann den Patienten oder die Patientin während des gesamten Fluges behandeln, ohne sich selbst oder die Cockpitcrew einem Infektionsrisiko auszusetzen. Rega-Chefarzt Prof. Dr. Roland Albrecht, unter dessen Leitung die PIU entwickelt wurde, erklärt: «Der Patient wird vor dem Einlad in den Ambulanzjet gemäss einem strikten Ablauf in der PIU isoliert, was eine Ansteckung der Crew während des Fluges verhindert.» Die Patientin bleibt dann in der PIU isoliert, bis sie im Zielspital in einer Isolationsstation wieder aus der PIU herausgenommen und umgelagert wird.
Ebola-Epidemie als Auslöser für Entwicklung der PIU
Auf die Idee zur Entwicklung der PIU kam Rega-Chefarzt Prof. Dr. Albrecht während der Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika. Vor Einführung der PIU gab es kaum ein zuverlässiges Konzept für luftgestützte Transporte von hochinfektiösen Patienten und die Rega-Crews mussten beim Transport von solchen Patienten während der gesamten Flugzeit Schutzkleidung tragen – selbst die Piloten im Cockpit. Trinken oder Essen im Flugzeug war nicht möglich. Zudem musste der gesamte Jet nach einem solchen Einsatz aufwendig desinfiziert und gelüftet werden – und stand während dieser Zeit nicht für andere Patienten zur Verfügung.
Rega entwickelte eigene Lösung
Der Rega-Chefarzt wollte eine Lösung schaffen, die hochinfektiöse Patienten während des gesamten Transports isoliert und gleichzeitig die Crew von Schutzanzügen befreit. Doch die Umsetzung war komplex: Die Patientenversorgung musste gewährleistet sein, ohne die Isolation zu unterbrechen. Auch die Frischluftzufuhr und die Sicherheit bei plötzlichem Druckabfall in der Kabine stellten Herausforderungen dar, für die unter anderem das Engineering-Team der Rega Lösungen finden musste. Zwei Hochleistungs-Partikelfilter am Fuss- und am Kopfende der PIU reinigen die kontaminierte Luft und geben sie keimfrei an die Umgebung ab. Damit lässt sich nicht nur im Aussenraum, sondern auch im Inneren keimfreie Luft garantieren. Dadurch eignet sich die PIU nicht nur für hochinfektiöse Patientinnen und Patienten, sondern auch für den Transport von immungeschwächten Menschen, die auf absolut keimfreie Luft angewiesen sind, etwa vor oder nach einer Organtransplantation. Ein weiterer Vorteil der PIU: Die Luftfahrzeuge stehen rasch wieder zur Verfügung und bedürfen keiner besonderen Desinfektion nach einem Einsatz.
Transport von hochinfektiösen Patienten gehört heute zur normalen Einsatztätigkeit
Die PIU wurde nicht nur für Ebola, sondern für alle hochinfektiösen Krankheiten entwickelt. Die Rega transportiert regelmässig Patientinnen und Patienten mit hochansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel offener Tuberkulose. Als sich Anfang 2020 das Coronavirus ausbreitete, konnte die Rega auf ihre Erfahrungen mit der PIU zurückgreifen und hat seit deren Entwicklung mehr als hundert Patientinnen und Patienten transportiert. Gestern brachte die Rega-Crew die Ebola-Patientin und ihre Kontaktperson in der PIU sicher in die Schweiz zurück. Aus Vorsichtsgründen wurde auch die Kontaktperson während des Transports in einer zweiten PIU isoliert. Vom Flughafen Zürich aus wurden die beiden Personen dann an Bord eines Rega-Helikopters in das Universitätsspital Genf (HUG) sowie ins Universitätsspital Zürich (USZ) geflogen.
Rega